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Ihr Ratgeber chronische Schmerzen
Chronische Schmerzen bestehen seit mindestens drei Monaten und treten sehr häufig auf.
Chronische Schmerzen

Was sind chronische Schmerzen?

Chronische Schmerzen sind Schmerzen, die nicht akut sind. Schmerzen sind akut, wenn sie plötzlich auftreten und meist nach relativ kurzer Zeit wieder vergehen, z. B. wenn eine Verletzung der Haut oder eine Prellung abheilt. Chronische Schmerzen hingegen manifestieren sich dauerhart, sodass ein Ende der Schmerzen meist nicht so ohne Weiteres abzusehen ist.

Chronischer Schmerz dauert lange an

Wenn die Schmerzen über drei bis sechs Monate oder länger andauern und dabei fast dauerhaft bestehen, spricht man von chronischen Schmerzen. Betroffene leiden nicht nur unter den Schmerzen, sondern auch unter physischen, psychischen und sozialen Einschränkungen, die der Schmerz häufig mit sich bringt. Die Stimmung und die psychische Verfassung werden häufig beeinträchtigt, die Beweglichkeit und Handlungsfähigkeit sind eingeschränkt. Der Alltag, der Beruf und auch das private und familiäre Leben können darunter leiden. Nicht selten klagen Patienten über schlechten Schlaf, Reizbarkeit und Depressionen.

Unterschied zwischen akuten und chronischen Schmerzen

Der akute Schmerz ist ein wichtiges Warnsignal, das wir brauchen, um den Körper zu schützen. Wer sich an einer heißen Herdplatte verbrennt, bekommt umgehend einen Schmerz, der dafür sorgt, dass man die Hand zurückzieht. Damit wird eine noch schlimmere Verbrennung verhindert.

Auch der Heilungsprozess wird durch Schmerz ermöglicht. Hat man Schmerzen in einem verletzen Fuß, kann man ihn nicht mehr gut bewegen. Daher gönnt man ihm Ruhe, die für die Heilung notwendig ist. Eine Wunde anzufassen, tut weh, damit man genau dies unterlässt und die Heilung nicht dadurch gestört wird.

Chronische Schmerzen - NervensystemIm Unterschied zum akuten Schmerz haben chronische Schmerzen in der Regel keine nutzbringende Funktion. Sie entstehen nicht durch eine akute Verletzung, Schädigung, einen Unfall etc., sondern bringen stattdessen viele Einschränkungen mit sich. Die Mobilität kann eingeschränkt sein, und Betroffene fühlen sich oft schnell müde und erschöpft. Die Ursachen liegen meist in einer fehlerhaften Funktion im Nervensystem oder in einer chronischen Entzündung.

Beispiele für chronische Schmerzen

Chronische Schmerzen können z. B. entstehen bei:

  • Arthrose
  • Fibromyalgie
  • rheumatische Erkrankungen
  • Diabetes
  • Problemen im Skelettapparat, z. B. im Rücken

Wie häufig sind chronische Schmerzen?

Die Europäische Schmerzstudie, die auch „Pain in Europe Survey“ genannt wird, hat die Häufigkeit von chronischen Schmerzen untersucht. In Deutschland sind fast 14 Millionen Menschen von chronischen Schmerzen betroffen, das sind rund 17 Prozent der Bevölkerung. Etwa 600.000 bis 800.000 dieser Patienten haben ein Schmerzsyndrom, das schwer zu therapieren ist. Das bedeutet, dass sich der Schmerz verselbstständigt hat und keine beispielsweise physische Ursache aufweist. Dann ist der Schmerz eine eigenständige Krankheit geworden. Die meisten Menschen mit chronischen Schmerzen haben Rückenschmerzen, Kopfschmerzen oder Nervenschmerzen.

Klassifikation durch die Weltgesundheitsorganisation

Bislang gab es Schmerzen, die nicht als Symptom einer anderen Krankheit, sondern als eigenständige Krankheit aufgefasst werden, nur in Deutschland. Inzwischen ist auch die Weltgesundheitsorganisation (World Health Organization, WHO) auf diese Problematik aufmerksam geworden. Sie hat mittlerweile den „chronischen Schmerz“ als eigenständige Diagnose in die Klassifizierung der verschiedenen Krankheiten aufgenommen, die Menschen in aller Welt beeinträchtigen. Damit werden Schmerzen als etwas Eigenständiges akzeptiert, ebenso die Notwendigkeit einer umfassenden Behandlung.

Fedor Singer